Zuckerfrei auf Reisen

In fast zwei Wochen habe ich es endlich geschafft und mein Ziel, 40 Tage Zucker zu fasten, erreicht! :-)

Wie es mir bisher ergangen ist und nach welchen zuckerfreien Rezepten ich mein Essen am liebsten zubereite, habe ich bereits ein paar Mal berichtet – und weitere Rezepte werden noch folgen! Doch da ich die schonungslose Wahrheit über meine Challenge schreiben möchte, ist es jetzt wohl an der Zeit, auch über den ein oder anderen unbewussten "Fail des Tages" oder auch bewussten "Cheatday" zu berichten – denn ja, die gab es.

Und zwar genau dann, wenn ich unterwegs auf Reisen war und kaum eine Möglichkeit dazu hatte, mein Essen selbst vorzubereiten... 

Ich ziehe meinen Hut vor Leuten, die es schaffen, sich wirklich zu 100% nach dem Clean-Eating-Konzept zu ernähren und dabei auch noch komplett zuckerfrei leben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es insbesondere auf Reisen eine große Herausforderung ist, zucker- und getreidefreie Lebensmittel zu finden (in Phase 1 bei der 40-Tage-Challenge von Hannah Frey verzichtet man nämlich auch auf jegliches Getreide). 

Letzte Woche war ich zum Beispiel beruflich in Berlin und habe auf einer unserer Veranstaltungen gearbeitet. Was die Verpflegung anging wurden wir vollständig versorgt – es gab ein reichhaltiges Crewcatering, das normalerweise keine Wünsche offen lassen würde. Mittags konnte ich einen Salat essen – es gab allerdings nur fertig angerührtes Dressing, von dem ich mir sicher war, dass es Zucker enthält. Ich nahm trotzdem einen kleinen Löffel, denn Salat ohne Sauce geht gar nicht!

Am Abend jedoch, war der Salat auf der Karte verschwunden. Zur Auswahl standen nur noch Brezeln, Bockwurst, Kartoffelsalat, Wraps oder eine Tomaten-Gemüsesuppe. Ich entschied mich für Letzteres, denn der Rest enthielt definitiv Zucker oder Weizen und meine mitgebrachte Nussmischung machte mich leider nicht mehr wirklich satt. Während ich meine Suppe löffelte, sprach ich jedoch kurz mit dem Koch über die Inhaltsstoffe. Und mir wurde bewusst, dass ich ebenfalls wieder mal ungewollt Zucker konsumierte, da natürlich auch die Suppe entsprechend mit Zucker abgeschmeckt wurde. Na toll! 

Durch diese Challenge wird mir erst so richtig bewusst, was für einen hohen Stellenwert Zucker doch in unserer Ernährung hat! Meine Augen sind natürlich gerade total auf das Lesen der Zutatenlisten trainiert – aber dass Zucker (oder entsprechende Zuckerersatzstoffe, die sich gerne unter den Namen Maltose, Maltodextrin, modifizierte Stärke, Polydextrose, Maltitsirup, Saccharose und Co. verbergen) wirklich in fast JEDEM Produkt enthalten ist, das irgendwie industriell verarbeitet ist, schockiert mich schon. Kommt dann noch der Verzicht auf Weizen- und Vollkornprodukte hinzu, bleibt wirklich nicht viel Auswahl übrig. Insbesondere wenn man unterwegs ist und einfach nur mal schnell eine Kleinigkeit essen möchte (im Café, beim Bäcker, am Kiosk, im Restaurant...). Dass ich also während meiner Challenge selbst im gewohnten Alltag schon in die ein oder andere Zuckerfalle getappt bin, wundert mich nicht. Sei es, dass ich ein als zuckerfrei ausgepriesenes "Airwaves Strong"-Kaugummi gegessen habe (welches wie ich später herausfand aber Maltitsirup & Maltodextrin enthält – was für eine Verbraucherverarsche!), oder eine Nussmischung mit Cranberries (die leider zusätzlich gezuckert waren) unwissend über meinen Salat streute. Solche "Fails" passieren leider.

Ein anderes Erlebnis. Vor ca. zwei Wochen war ich mit einer Freundin für zwei Tage in Rom. Als wir am ersten Morgen direkt neben unserer Airbnb-Unterkunft einen Saftladen entdeckten, war ich direkt im 7. Himmel. Perfekt, dachte ich, das Frühstück ist schonmal gerettet. Mein Mango-Smoothie schmeckte fantastisch, doch meinen morgendlichen Hunger stillte er nicht wirklich. Leider war aber der auf der Menükarte aufgeführte Joghurt mit Obst ausverkauft – und die restlichen Produkte waren alles verzuckerte Teilchen, Croissants oder Weizenbrot. 

So stapften wir ohne ein "wirkliches" Frühstück los und stillten unseren Hunger erst gegen Mittag mit einem super leckeren Mozzarella-Salat. Da in Italien die Salate immer ohne Dressing serviert werden, war es praktisch, dass ich hier selbst Essig und Öl dosieren und sicher sein konnte, dass kein Zucker im Dressing enthalten war.

Das gereichte Brot zum Salat ließ ich einfach weg. Am Abend wiederholte sich meine Essensauswahl – so verlockend die Pizza auf Anni's Teller auch aussah, mein Wille war stark. :-) Für das Frühstück am nächsten Morgen hatte ich (auch in Anni's Interesse, da sie mein morgendliches Jammern vor Hunger sonst wieder hätte ertragen müssen) vorsorglich im Supermarkt einen Naturjoghurt, Bananen und eine Nussmischung gekauft. Gegen Mittag gab es wieder mal Salat und am 2. Abend war es dann soweit. Ich bin ich schwach geworden. Das 4. Mal Salat in Folge und das auch noch in Italien – das habe ich nicht mehr ausgehalten! Also habe ich mir tatsächlich einen Cheatday gegönnt und eine Gemüse-Pizza sowie ein Glas Wein bestellt. Wenn schon, denn schon. Ich konnte einfach nicht anders. Zu allem Überfluss aber, schmeckte die Pizza noch nicht mal gut... 


Bereut habe ich trotzdem nichts. Wie sagt man so schön, Ausnahmen bestätigen die Regel. :-) Ich halte mich eigentlich schon für einen sehr konsequenten Menschen. Was ich anfange, ziehe ich durch. Aber krampfhaft an starren Regeln festhalten, wenn die Umstände nunmal nicht die optimalen Bedingungen ergeben oder ich einfach RICHTIG LUST, wie in diesem Fall auf Pizza, habe – ja meine Güte, dann esse ich halt eine. 

Und genau das ist auch meine generelle Grundeinstellung zu Ernährung. Essen soll Spaß machen und ich liebe gesundes Essen. Gerne will ich auch nach der 40-Tage-Challenge meinen Zucker- und Weizenkonsum gering halten. Aber: Der Genuss soll jederzeit an oberster Stelle stehen! Wenn ich also auf Reisen bin oder Essen gehe und daher keine Gelegenheit habe, mir mein Essen selbst zuzubereiten, dann werde ich auch in Zukunft wieder genau die Dinge bestellen, auf die dich Lust habe – umso besser, wenn "Genuss" und "gesund" sich dann sogar verbinden lassen. :-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Britta (Montag, 27 März 2017 11:12)

    Ich denke mit genau dieser Einstellung wirst du den Weg auf lange Sicht sehr zufriedenstellend weiter gehen können. Denn wie du sagst - wenn man beim (auswärts) Essen frustriert ist bzw. schlechte Laune bekommt, weil man nicht genug oder nur das vermeidlich falsche findet, dann wird die Seele krank ;)

  • #2

    Annika (Donnerstag, 13 April 2017 18:47)

    Diese arme Anni :D - diese tapfere Maren!
    1 Cheatday sei gegönnt - schade, dass die Erwartungen an "diese eine Sünde" dann doch höher waren als der eigentliche Genuss ;)