Mein Yoga-Retreat auf Santorini

Dieses Jahr stand der Wunsch, eine Yoga-Reise zu unternehmen ganz oben auf meiner Liste. Und eins stand fest: Ich wollte alleine reisen. Einfach mal was für mich tun. Raus aus dem Alltag und tiefer eintauchen in die Welt der Yogis. Und so bin ich im Yogaloft Cologne auf das Santorini-Retreat gestoßen. Das war es! Auf die griechische Insel wollte ich sowieso schon immer und das in Kombination mit täglicher Yoga-Praxis klang einfach traumhaft. Angemeldet, Koffer gepackt und los ging es. Meine Erwartungen an die Reise waren hoch – und dann wurden sie sogar bei weitem übertroffen ...

 

Mein Entschluss, alleine in den Urlaub zu fahren, hat viele Menschen in meinem Umfeld überrascht – was mich wiederum irgendwie auch überrascht hat. "Das ist aber mutig" oder "Bist du dann nicht einsam?" waren Reaktionen auf meine Reisepläne, doch nachvollziehen konnte ich sie nicht. Ich habe einige Freundinnen sogar ausdrücklich drum gebeten, mich bitte NICHT zu begleiten. :-) Denn wie ich schon öfter geschrieben habe, wird mir meine Maren-Zeit gefühlt von Jahr zu Jahr immer heiliger. Da ich im Alltag immer so viele Menschen um mich habe und sehr häufig unterwegs bin (und das wirklich liebe), brauche ich im Gegenzug regelmäßig Zeit für mich, um mich wieder neu auszubalancieren. Um Kraft zu tanken. Daher fand ich es großartig, einfach mal 9 Tage lang Zeit dafür zu haben, sodass ich es als ein riesiges Geschenk an mich selbst empfand, diese Reise zu unternehmen. Und so ganz alleine war ich ja gar nicht. Klar, ich kannte zunächst niemanden, aber kaum war ich Sonntags in Düsseldorf am Flughafen angekommen, lernte ich bereits meine Zimmernachbarin Steffi für die Woche kennen und wir haben uns auf Anhieb blendend verstanden. 

Da das Retreat erst am nächsten Tag begann, musste ich mir für die erste Nacht eine andere Unterkunft suchen. Ich fand ein kleines Hostel mit unglaublich nettem Personal (und gar nicht mal unattraktiv). ;-) Die griechische Gastfreundschaft zog sich ab Tag 1 durch und war wirklich außergewöhnlich. In welchem Hostel auf der Welt bekommt man nach nur einer Nacht zum Abschied von der Crew eine Flasche Wein geschenkt und muss dann sogar noch mit allen ein Gruppenselfie machen? So konnte es weiter gehen. :-)

Am Montag ging es dann gemeinsam mit Steffi (wir hatten die Nacht in unterschiedlichen Hostels verbracht) nach Oia zu unserem Yoga-Resort für die Woche. Oia liegt ganz im Norden Santorinis und ist quasi der Ort, den man bereits von jeder Santorini-, ach nein, sogar von jeder Griechenland-Postkarte kennt. Weiße Häuser, dicht an dicht in die Steilküste gebaut, gespickt mit vielen wunderschönen weißen Kirchen mit blauen, runden Kuppeldächern. Ein Traum!

Nach einem kleinen Kampf durch die engen Gassen und die unzähligen Touristen (dazu später mehr) erreichten wir unsere Ruhe-Oase, das wunderschöne Aethrio-Hotel

 

Hier trudelten nach und nach auch alle anderen Teilnehmer ein, so auch Alisha aus North Carolina, unsere wundervolle 3. Mitbewohnerin für die Woche. Alle Yogis teilten sich süße kleine 2er- und 3er-Apartments. Kein Luxus, aber absolut ausreichend. 

Am Abend dann endlich die erste Yoga-Session. Hier lernte ich auch erstmals unsere Yoga-Lehrer kennen: Die wunderbare Sonia Taylor Bach (Besitzerin des Yogalofts aus Köln) und den amerikanischen Yoga-Rockstar Sadie Nardini aus Los Angeles. Beiden gehörte auf Anhieb mein Herz! Die positive Energie, die beide versprühten übertrug sich sofort aus uns. Begrüßt wurden wir mit einer kleinen Überraschungstüte, in der sich neben kleinen Snacks unter anderem ein kleines Notizbuch, ein Bleistift und ein besonderer Zettel verbarg – auf ihm standen "52 Journal Questions". 

 

STOKE YOUR FIRE

"Stoke Your Fire" – so lautete das Motto der Woche. Doch das bezog sich nicht nur auf die Yoga-Praxis. Wir alle hatten unterschiedliche Gründe, warum wir diese besondere Reise angetreten sind. Und viele von uns kamen alleine. 

 

Sonia und Sadie wollten insbesondere, dass wir uns während der Woche über die folgenden vier Fragen Gedanken machen:

  • Warum sind wir hier?
  • Wer sind wir, wenn wir alleine sind und keine Masken tragen?
  • Was wollen wir loslassen?
  • Welche Transformation wollen wir anstoßen?

Fragen, die man sich im hektischen Alltag eher seltener stellt, doch auf die man augenöffnende Antworten findet, wenn man mal die Zeit und Ruhe hat, sich ausgiebig damit auseinander zu setzen ...

 

"LET YOUR BOOTY DO THAT YOGA."

Im Zentrum der Reise stand aber selbstverständlich die tägliche Yoga-Praxis. Jeden morgen von 8.30 - 10.30 Uhr praktizierten wir zwei Stunden Vinyasa Flow. Ich sags dir, ich hatte spätestens nach Tag 2 schon den Muskelkater meines Lebens. Dafür waren unter anderem Sadies anstrengenden "Yoga Shreds" verantwortlich – super schnelle Cardio-Einheiten, die uns auf der wunderschönen Sonnenterasse unter freiem Himmel so richtig ins Schwitzen brachten.

 

Abends standen dann von 17.30 - 18.30 Uhr zum Glück immer ruhigere Einheiten auf dem Programm. Mal machten wir Yin Yoga, mal meditierten wir einfach nur. An ein paar Abenden wurden wir aber auch mit wunderschönen musikalischen Einlagen überrascht und genossen Privatkonzerte im Sonnenuntergang. Es wurden wirklich jeden Tag andere Schwerpunkte und Highlights gesetzt. 

  

 

Besonders in Erinnerung ist mir Tag 5 geblieben. Denn an diesem Tag war ich körperlich überhaupt nicht auf der Höhe. Ich hatte Muskelkater und Rückenschmerzen, fühlte mich schlapp und irgendwie schwach. Insbesondere beim Morgen-Yoga brach ich förmlich zusammen, da meine Muskeln einfach nicht so wollten, wie mein Kopf. Verdammt nochmal hat mich das frustriert! Immer wieder pausierte ich in der Child's Pose, um tief durchzuatmen. Ich merkte wie eine riesige Wut in mir aufstieg. Denn gefühlt, ging es allen anderen um mich herum überhaupt nicht so. Alle wirkten so fit auf mich. Warum streikte nur mein Körper? 

Und während ich so auf meiner Matte lag, musste ich plötzlich über mich selbst schmunzeln. Da rackert man sich so hart ab, will alles geben – doch der Körper macht nicht mit. Genau das musste ich in dem Moment einfach akzeptieren und ich kam mir plötzlich so bescheuert vor, dass ich mich permanent mit den anderen um mich herum verglich – etwas, was man ja insbesondere beim Yoga, schonmal überhaupt nicht machen soll. Warum setze ich mich eigentlich immer wieder selbst so einem Leistungsdruck aus? In dem Moment kapierte ich (mal wieder), wie wichtig es, dass ich einfach nur bei mir bleibe. Mich nicht vergleiche, sondern einfach akzeptiere was ist. Ohne Druck. Es einfach sein lassen. Eine Erkenntnis, die ich dringend auch auf andere Situationen in meinem Leben beziehen sollte. "Let it be" also! 

Ich glaube, den Satz muss ich mir als Merksatz nochmal irgendwo auf den Arm tätowieren (nein Mama, keine Sorge, das war ein Scherz). 

 

EINE OASE DER RUHE.

 

Tagsüber zwischen den Yoga-Einheiten konnten wir machen, was wir wollten. Doch was wollte ich eigentlich?

Mein Kopf sagte mir: Geh raus, erkunde die Insel, besuch die Strände, fahr in andere Städte, lauf runter zum Hafen und schwimm im Meer, mach Fotos, ... 

Aber draußen (außerhalb des Hotels) war es so schrecklich voll! Überall waren Touristen! Tausende! Es war heiß und steil und anstrengend. Und permanent wurde man angerempelt, hatte Ellbogen in den Rippen und wurde durch die engen Gassen geschoben. Es gab einfach zu wenig Platz für all die vielen Menschen in Oia! Und dann waren da auch noch all die Fototouristen, primär Asiaten, die nach Santorini kamen, um Hochzeitsbilder aufzunehmen. Ich glaube während einer ganzen Woche habe ich noch nie so viele Bräute in Brautkleidern gesehen (die aber nicht zum Heiraten dort waren, sondern einfach nur FÜR DIE FOTOS in Brautmode im Sonnenuntergang posierten). Das war crazy! Es gab sogar zahlreiche eingezäunte Bereiche, die man für viel Geld mieten konnte, nur um ungestört und abseits der Menschenmengen, Fotos zu machen. Wow!

 

Also war da neben meinem Kopf noch mein Herz. Und mein Herz sagte mir: Bleib in der Ruhe-Oase am Pool liegen, nimm dir Zeit zu lesen, zu meditieren, zu schlafen und zum Alleine sein ...

 

Doch kann ich das wirklich machen? Einfach im Hotel bleiben? Dieser innere Konflikt hat mich die ersten zwei Tage ganz schön gestresst. Bis ich Frieden schließen konnte und einfach beschlossen habe, dass es absolut okay ist, im Hotel zu bleiben und meine Ruhe haben zu wollen. Hey, dafür bin ich doch schließlich her gekommen. :-) Und so chillte ich tatsächlich am liebsten auf meiner Liege am Pool.

 

Gegen Abend nach Sonnenuntergang waren die vielen Touristen dann auch zum Glück schon wieder auf ihrer Fähre zur nächsten Insel. Und so konnte ich abends auch raus gehen. :-) 

Was haben wir für mega leckere Abendessen in unterschiedlichsten Tavernen gehabt! Ein besonderes Highlight war das Dinner im Ammoudi Port, dem Hafen von Oia. Unser Tisch stand direkt an der Wasserkante und wir hatten einen mördermäßigen Blick auf die untergehende Sonne und die zahlreichen Segelschiffe im Hafen. So richtig fies kitischig war das ...

Und auf solch einem Segelschiff sind wir dann tatsächlich auch gegen Ende der Woche noch für ein paar Stunden am Nachmittag gesegelt – dem Sonnenuntergang entgegen! Hach war dat schööön – Ein Privatboot nur für uns Yogis! :)

 

"FOLLOW THE LIGHT."

 

Doch neben diesem atemberaubenden Segeltrip hatte die Woche noch so viel mehr Highlights, die ich gar nicht alle in Worte fassen kann.

 

Ich kann jedoch mal versuchen, meine persönlichen Top 3 zu benennen:

 

1) Die Musik

Da gab es diesen einen Song, der ab Tag 2 zu unserem Song der Woche wurde: Younger! Was haben wir alle einen Ohrwurm gehabt – egal wo man während der Woche hinhörte, in irgendeiner Ecke hörte man immer jemanden still vor sich hinsummen ... "You ain't getting any younger ..." 

Und wie bereits erwähnt, kamen wir diverse Male auch in den Genuss von wunderschöner Live-Musik. So waren Karin Thyr und ihr Ehemann Göran Eriksson unter uns Yogis – in Schweden besser bekannt als das Duo "Thyra". Ihre Stimme zu seinem Gitarrenspiel – ein Traum!!! 

Aus diesem Grund habe ich eine Santorini-Spotify-Playlist mit unseren schönsten Songs der Woche erstellt – eine Playlist für's Herz! Thyra und Sadie Nardini sind auch dabei. Viel Spaß:

 

Spotify-Playlist

 

2) Der Sonnenaufgang

Morgens brauche ich Kaffee. Starken Kaffee. Und der Kaffee im Hotel war leider so lasch wie ein Gute-Nacht-Tee. Also hab ich mich nach ein paar Tagen morgens um 7 Uhr auf den Weg gemacht (vor 9 Uhr konnte man Oia zum Glück noch weitgehend alleine erkunden), um schließlich in einem ganz unscheinbaren Büdchen auf den leckersten Cappuccino und die geilsten (noch warmen, da frisch aus dem Ofen) Schokocroissants zu stoßen. O.M.G.! Und so saß ich ab Tag 3 oder 4 jeden Morgen allein auf einem kleinen Mäuerchen, genoss mein kleines Frühstück und beobachtete wie die Sonne aufging. Das Licht am Morgen auf Santorini ist wirklich unbeschreiblich schön. Die ganze Stimmung war schön, irgendwie magisch. So geht es mir aber auch in Deutschland. Ich liebe die Zeit am frühen Morgen, bevor die meisten Menschen wach und die Straßen noch komplett so ruhig sind. Die Atmosphäre ist wirklich einzigartig ...

 

3) Die Menschen

Ich bin so unendlich dankbar für all die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte!

Zu allererst natürlich Steffi und Alisha, meine beiden Roomies für die Woche! Wie habe ich unser spontanes Mitternachts-Geschmetter geliebt, als wir mit voller Inbrunst "Killing me softly" sangen und so mit Sicherheit die ganze Anlage geweckt haben! :) Außerdem bin ich so froh, Ralf und Melanie sowie Sandra und Sylvia von kismet-yogastyle kennengelernt zu haben! Bereits nach wenigen Tagen nannten wir uns schon "The Family", da wir auf einer bestimmten Ebene alle schnell und tief connected waren. Ihr alle habt die Woche zu einem besonderen Highlight werden lassen – ja, sogar zu DEM Highlight!

Und wie sagte Sadie am Ende der Woche so treffend:

"Rock who you are and your tribe will follow!

Ich liebe diesen Satz, denn er ist so unglaublich wahr. Wenn wir einfach wir selbst sind, unsere Masken ablegen und uns in all unseren Facetten der Welt zeigen, dann ziehen wir die Menschen in unser Leben, die uns auf unserer Reise durchs Leben begleiten sollen. Menschen mit ähnlichen Träumen und Visionen. Menschen, die uns gut tun. Menschen, die uns inspirieren. Menschen von denen wir lernen können. Und Menschen mit denen wir gemeinsam wachsen ... 

 

"ROCK WHO YOU ARE AND YOUR TRIBE WILL FOLLOW."

Die Reise hatte aber auch noch eine Überraschung für mich parat.

Ich mache zwar schon seit vielen Jahren Yoga, dies jedoch immer mal hier mal da, wie es sich eben gerade ergibt. Erst seit wenigen Monaten habe ich angefangen, regelmäßig ins Yogaloft Cologne zu gehen. Und plötzlich bin ich auf einem Yoga-Retreat, auf dem ca. 70 % der Teilnehmer sogar ausgebildete Yogalehrer sind! Damit hatte ich nicht gerechnet. So viele Profis unter uns? Und so fand ich es umso spannender, all den verschiedenen Gesprächen der Yogis zu lauschen, die so tief in der Yoga-Thematik drin sind, dass ich teilweise überhaupt keine Ahnung hatte, wovon die alle sprechen. Das hat mich so unglaublich neugierig gemacht! Das Thema Unterrichten war für mich selbst immer total weit weg, daher wollte ich unbedingt die verschiedenen Motive der Anderen erfahren, warum sie irgendwann entschieden haben, eine Yogalehrer-Ausbildung zu machen. Und wie ich hörte, haben viele die Ausbildung auch einfach nur für sich gemacht, um noch tiefer in die Yoga-Praxis einzusteigen und noch mehr Yoga-Wissen aufzusaugen. Der Wunsch, zu unterrichten, kam bei vielen erst später. 

Und nun sitz ich hier, zurück in meinem Alltag, und merke wie mich diese ganzen Gespräche doch nachhaltig sehr inspiriert haben. Denn auch ich möchte viel mehr über die gesamte Philosophie des Yogas lernen. Meine Persönlichkeit weiter entwickeln. Noch mehr Yoga praktizieren. Und besser werden. Und die Reise hört ja niemals auf ... Daher ist der Gedanke, selbst eine Ausbildung zum Yogalehrer zu machen, plötzlich gar nicht mehr so weit weg. Im Gegenteil, die Vorstellung wird für mich sogar immer greifbarer. Irgendwas hat mich da innerlich angepiekst auf Santorini – ein entstehender Wunsch, an den ich vor wenigen Wochen nicht im Entferntesten gedacht habe. :-) Wer weiß also, wo für mich die Reise in 2018 noch so hingeht ...?

 

Abschließend kann ich auf jeden Fall zusammenfassen, dass dieser Urlaub mir persönlich wirklich viel bedeutet hat und ich, wie oben schon erwähnt, ihn wirklich als großes Geschenk an mich selbst empfinde. Ich bin unendlich dankbar für diese kostbare Zeit, die tiefgründigen Gespräche, neu gewonnenen Erkenntnisse und wundervollen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

Daher kann ich einfach nur jedem, der das hier liest, ans Herz legen auch einmal (oder öfter) eine Reise für sich selbst zu unternehmen.

Es ist so unglaublich befreiend mal eine gewisse Zeit lang nicht die gewohnten Gespräche über das alltägliche Leben zu führen. Geht ja auch gar nicht, wenn man plötzlich auf Menschen trifft, die man zuvor noch gar nicht kannte und alle sich gegenseitig neu kennenlernen! 

Und natürlich muss es nicht zwingend eine Yoga-Reise sein. Es gibt auch viele andere wunderbare (Seminar-)Reisen, zu allen möglichen Themen! Do it! 

Wann immer dir also die Möglichkeit für solch eine Reise über den Weg läuft und du innerlich irgendwie den Drang verspürst, daran teilzunehmen – zögere nicht und mach es einfach! 

 

Deine Maren 

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Kommentare: 2
  • #1

    Deine Freundin (Sonntag, 01 Oktober 2017 19:34)

    Verschlungen ✅❤️��

  • #2

    Elke (Montag, 02 Oktober 2017)

    Ein toller inspirierender Bericht� - macht Lust auf Yoga und Santorin��Danke fürs Teilen liebe Maren