Und plötzlich bin ich Yogalehrerin – ein Bericht über mein 200h Teacher Training!

Über drei Monate sind mittlerweile vergangen, seit ich mein Zertifikat für die 200h-Yogalehrer-Ausbildung feierlich überreicht bekommen habe. Das war am 21. Mai 2018. Ich war so unglaublich stolz in diesem Moment. Stolz und zugleich erleichtert. Überglücklich aber auch zutiefst betrübt. Darüber, dass dieses wunderschöne Teacher Training nun schon wieder vorbei war. Es hatte doch gerade erst angefangen!!?? Am 15. Januar habe ich damit fulminant mein 31. Lebensjahr begonnen! Und so schnell waren vier Monate um? 

So war es wohl. Und weil mich diese Zeit so sehr geprägt hat, weil sie so intensiv, emotional, anstrengend und lehrreich war, möchte ich all meine Erfahrungen während dieser Zeit in diesem Post mit dir teilen.

 

Wie alles begann ...

Angefangen hat alles im September 2017, als ich alleine in den Urlaub auf ein Yoga Retreat nach Santorini geflogen bin.

Ich wollte eine Reise nur für mich machen und bin dem Aufruf eines Kölner Yoga Studios, dem Yogaloft, gefolgt. Diese Woche hat unwahrscheinlich viel in mir in Bewegung gesetzt und mir so wahnsinnig gut getan. Hinzu kam, dass ich während der Woche fast ausschließlich mit Leuten zu tun hatte, die bereits ausgebildete Yogalehrer waren. Ich fand es spannend, deren Motivation zu erfahren, warum sie solch eine Ausbildung gemacht haben und wie sie nun teilweise in Vollzeit, teilweise nebenberuflich als Yogalehrer arbeiten. Und von Tag zu Tag wurde ich neugieriger auf diese 200-stündige Ausbildung, von der alle erzählten.

Bis dato hatte ich nämlich absolut noch gar keine Ahnung von der üblichen Ausbildungsstruktur zum Yogalehrer. Ich wusste lediglich, dass man z.B. an der Deutschen Sporthochschule Köln ein Wochenend-Seminar zum Yoga Instructor besuchen kann. Dass es aber riesige Unterschiede in Ausbildungsinhalt und -umfang gibt, darüber hatte ich irgendwie noch nie nachgedacht. Heute weiß ich:

Üblich ist eine Yoga Alliance zertifizierte 200h Basis-Ausbildung, die von vielen Yogastudios weltweit angeboten wird und somit auch international anerkannt ist. Anschließend kann man noch eine 300h-Ausbildung obendrauf setzen, denn auch die wird in vielen Studios on top angeboten.

Alle sonstigen Wochenend-Workshops oder Seminare sind dann entsprechende Zusatzqualifikationen und Vertiefungen in unterschiedlichen Themen, die man noch machen kann – die Reise hört ja auch niemals auf und regelmäßige Weiterbildung wird bei mir sowieso ganz groß geschrieben. :-)

 

Von meinem Yoga Retreat zurückgekehrt, wuchs die Idee immer weiter in mir heran, ebenfalls eine Ausbildung zu machen. Aber ich selbst unterrichten? Nee, das konnte ich mir wirklich nicht vorstellen. Aber ich wollte unbedingt mehr über die gesamte Yoga-Philosophie erfahren! Ich wollte Zusammenhänge verstehen und viel tiefer in diese spirituelle Praxis eintauchen, von der ich so fasziniert war. Im Herbst letzten Jahres gab es dann schließlich einen Infoabend im Yogaloft. Da musste ich hin! Ich erinnere mich noch zu gut, wie wir im Sitzkreis mit 10-12 Leuten in fröhlicher Plauderlaune saßen und Sonia, die Studiobesitzerin, mit allen möglichen Fragen zur Ausbildung löcherten. :-) Eine der typischen Fragen, die dort aufkamen und die mir auch immer mal wieder gestellt wird, war: "Muss man nicht ziemlich gut sein und Yoga schon mind. 10 Jahre machen, bevor man eine Yogalehrerausbildung machen kann?" – um die Antwort direkt vorweg zu nehmen: Nein, muss man nicht. Man sollte einfach eine gewisse Grunderfahrung mitbringen (eine einjährige regelmäßige Yogapraxis reicht bereits aus). Ein perfekter Handstand oder eine Dehnfähigkeit bis zum Mond, waren keine notwendige Qualifikation für eine Ausbildung. Immerhin handelt es sich bei den 200h auch um eine Basisausbildung. 

Der Infoabend hatte mir auf jeden Fall ziemlich gut gefallen. Die Mädels waren alle so sympathisch, eigentlich stand für mich bereits nach 30 Minuten schon fest, dass ich die Ausbildung unbedingt machen möchte. 

Natürlich haben mich auch die Inhalte angesprochen, aber ich weiß, dass alleine die nette Community ein Hauptkriterium war, das meine Entscheidung beeinflusste.

Die Ausbildung sollte am 15. Januar 2018 beginnen und vier Monate dauern. Aufgeteilt in verschiedene Wochenend-Blöcke, sollte das also neben der normalen Arbeit zu schaffen sein. Jetzt musste ich nur noch "das Finanzielle" klären. Denn 3.500,- € sind natürlich ein stolzer Preis. Ein Darlehen aus meiner Familie, das ich monatlich zurückzahlen kann, hat mir schließlich finanzielle Luft verschafft, sodass ich meinen Traum verwirklichen konnte. Und so habe ich mich zur Ausbildung angemeldet. :-) Für diese Chance bin ich bis heute unendlich dankbar.

 

Mein Buddy Astrid und ich
Mein Buddy Astrid und ich

Mein Buddy und ich

Noch total gehyped vom Wochenende (ich wurde am 14. Januar 30 Jahre alt und habe dementsprechend gebührend das Leben gefeiert), ging am Montag dann schließlich um 8 Uhr morgens die Intensivwoche der Yogalehrer-Ausbildung los. Ich war so mega gespannt darauf, wer alles dabei sein würde, denn ich kannte tatsächlich nur meine Zimmergenossin aus Santorini, die sich ebenfalls angemeldet hatte. Wir waren 30 Leute. 29 Frauen und 1 Mann – wer hätte es gedacht!? :-)

Nach einer kleinen Yoga Session und einer ausführlichen Vorstellungsrunde, sollten wir uns anschließend für die Zeit unserer Ausbildung einen festen "Buddy" suchen. Einen Buddy zum gegenseitigen "aufeinander Acht geben". Wir saßen im Kreis auf dem Boden (okay, das taten wir ungefähr IMMER während der Ausbildung, zwar nicht immer im Kreis, aber IMMER auf dem Boden) während Sonia das Buddy-Konzept erklärte. Schräg links gegenüber von mir saß Astrid. Ich kannte sie nicht, aber irgendwie blieb mein Blick intuitiv auf ihr kleben. Sie erwiderte den Blickkontakt und irgendwie war damit alles klar. Doch Sonia hatte noch gar nicht zu Ende gesprochen. Erst als sie sagte, dass wir nun aufstehen sollen, um durch den Raum zu gehen, um dann intuitiv unseren Buddy zu finden, wurde mir klar, dass Astrid und ich die Aufgabe schon längst beendet hatten. Wir hatten uns gefunden, einen Buddy brauchten wir nicht weiter suchen. Wir waren die einzigen, die seelenruhig sitzenblieben, während um uns rum das laute Geplapper startete. Das war schon ein magischer Moment und wir haben ihn beide ziemlich identisch empfunden. Das war wie gesucht und gefunden. :-) Und so wurde Astrid zu meiner engsten Vertrauten während der gesamten Ausbildung.

 

Die Intensivwoche

Vor uns lag nun eine intensive Woche, in der wir sieben Tage am Stück von 8-18 Uhr Ausbildung hatten. Und der Name Intensivwoche hat schon aus berechtigten Gründen seinen Namen. Es war INTENSIV. Emotional. Körperlich. Geistig. 

Jeden Tag hatten wir andere Dozenten zu unterschiedlichen Themenblöcken.

Es ging um Meditation, Ernährung, Ayurveda, Chanting, Pranayama (Atemübungen), Yoga-Geschichte und natürlich immer wieder auch um die Asana-Praxis. Mehrere Stunden Yoga am Tag führten bei mir zu unfassbar starkem Muskelkater. Aber man gewöhnte sich irgendwann dran ...

Bereits an Tag 1 wurden wir übrigens direkt ins kalte Wasser geschmissen, was das Unterrichten anging. Jeder sollte der Reihe nach eine Mini-Sequenz, die zuvor von Sonia demonstriert wurde, vor der Gruppe anleiten. Es war zum Totlachen! Einer war "schlechter" als der andere, aber trotzdem hat sich keiner blamiert. Denn wir saßen ja alle im selben Boot. Mal ganz davon abgesehen, dass die wenigsten die Bewegungen in der korrekten Reihenfolge wiedergeben konnten, wurde das Ansagen der Atmung meistens sogar komplett vergessen. :-) Das hat einem so richtig schön vor Augen geführt, wie herausfordernd das Unterrichten doch sein kann und was für ein langer Weg noch vor uns lag ...

 

Christina und ich mit unserem täglichen Saft
Christina und ich mit unserem täglichen Saft
Tatjana, Christina und ich
Tatjana, Christina und ich
Holger und ich
Holger und ich
Tatjana und ich
Tatjana und ich

Daniela und ich :-)
Daniela und ich :-)

 

Es folgten weitere intensive Wochenenden, an denen wir uns unterschiedlichen Themenblöcken widmeten. Zum Beispiel haben wir uns zwei Tage lang ausgiebig mit der Anatomie beschäftigt. Hier kam mir mein sportwissenschaftlichen Studium zu Gute, dabei war mir gar nicht so bewusst, wie viele Grundlagen ich doch tatsächlich aus meinem Studium noch mitgenommen hatte (immerhin liegt die Anatomie-Vorlesung nun auch schon fast 10 Jahre zurück). :-) 

Und selbstverständlich können an so einem Wochenende auch nur die Basics vermittelt werden. Die sollte ein Yogalehrer aber auch wirklich auf dem Schirm haben. 

An einem anderen Wochenende haben wir uns ausführlich mit Bhakti Yoga, Kirtan (dem Singen von spirituellen Liedern und Mantren), Philosophie und Sanskrit auseinander gesetzt. Für mich war das tatsächlich eins der besten Wochenenden während der gesamten Ausbildung. Raghunath, unser Dozent, kam hierfür extra aus den USA eingeflogen. Und dieser Mann ist eine Wucht! Sein Erfahrungsschatz, die Geschichten aus seiner langjährigen Zeit im indischen Kloster und überhaupt sein Gesamtverständnis von Yoga – ich bin heute noch ganz erschlagen von seinem Wissen und bin so unendlich dankbar, dass er Teil der Ausbildung war.

An weiteren Wochenenden haben wir uns dann noch mit Themen wie Sequencing (dem richtigen Aufbau einer Yogastunde), Musik oder Yoga Business beschäftigt – und selbstverständlich haben wir auch in jedem Block intensiv unterschiedliche Asanas auseinander gepflückt, viele Praxisanteile gehabt, viele Gruppenarbeiten gemacht und gegenseitiges Unterrichten und Anleiten von einzelnen Sequenzen geübt.

Kein Wochenende war wie ein anderes. 

Wir hatten insgesamt über zehn verschiedene Dozenten, wobei ich hier wirklich betonen muss, dass alle unglaublich stark waren! Ich habe von jedem einzelnen so unglaublich viel gelernt und mitgenommen. Jeder ist Experte in seinem Bereich und diese Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren hat die Ausbildung wirklich bereichert und trägt wesentlich zur hohen Qualität bei. Das was Sonia Taylor Bach hier auf die Beine gestellt hat, ist wirklich beeindruckend! 

Auf dem Foto unten siehst du mich z.B. mit Faith Hunter, sie ist Yogalehrerin aus Washington D.C. und war ebenfalls Gastdozentin bei uns. Ein paar Wochen später habe ich sie bei meiner Reise nach Washington in ihrem Studio besucht. Hammer Vibe, der da bei ihr herrscht! :-)

 

zu Gast bei Faith Hunter in Washington D.C.
zu Gast bei Faith Hunter in Washington D.C.

 

Das Yogaloft wurde also für vier Monate mein zweites Zuhause. Denn nicht nur für die Ausbildungstage war ich da. Auch viele Abende hab ich im Yogaloft verbracht. Denn neben den 200 Stunden Theorie, gehört auch das Sammeln von Praxis-Stunden zum Ausbildungskonzept dazu.

Wir hatten also vier Monate Zeit, um zusätzlich zum normalen Unterricht noch 42 Mal einen 90-min Vinyasa-Kurs zu besuchen. Wie ein Konfirmant, der sich seinen Kirchenbesuch abzeichnen lässt, sah man die TT's (so nannte man uns Teacher Trainees) nun ab sofort nach jeder Yogastunde mit einem Stundenzettel zum Lehrer gehen, um sich die Anwesenheit abzeichnen zu lassen. :-)

Um das Pensum während der Ausbildung zu schaffen, musste man ca. 2-3 Mal die Woche einen Yogakurs besuchen. 

Für jemanden wie mich, war das eine ganz schöne Herausforderung neben der täglichen Arbeit. Denn typischerweise bin ich da ziemlich locker ran gegangen. Hatte ich eine Woche mal zu viele private Verabredungen am Abend oder Termine von der Arbeit, nun ja, dann war ich halt ab und zu auch nur 1-2 Mal die Woche beim Yoga. Dann war ich auch noch ca. 2 Wochen stark erkältet ... und schwupps raste die Zeit so vor sich hin, sodass ich gegen Ende der Ausbildung richtig Stress bekam und teilweise Sonntags mal drei Yogakurse am Stück machen musste, nur um noch rechtzeitig meinen Stundenzettel voll zu bekommen. Das war nicht wirklich gesund. Aber auch einfach eigenes Verschulden. Am Anfang zu locker angegangen und am Ende dann den mega Stress geschoben. Typisch Maren! :-)

 

Das Yogaloft
Das Yogaloft

Perfektionismus, Ego und andere Themen ...

Selbstverständlich geht so eine intensive Ausbildung auch emotional nicht spurlos an einem vorbei. Denn ich sag's dir, wer auf Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfindungs-Seminare steht, der ist auch in einer Yogalehrerausbildung gut aufgehoben. Hier geht es wirklich ans Eingemachte. Es ist nicht selten, dass während solch einer intensiven Zeit bei einem das ein oder andere Thema hochploppt. Man beschäftigt sich viel mit sich selbst, reflektiert viel, denkt über seine Muster und Verhaltensweisen nach. Dazu ist man im engen Austausch mit vielen weiteren Gleichgesinnten, die alle auf gleicher Mission sind.

Tiefgründige Gespräche, mal die ein oder andere Träne vergießen ... Das war so und es war auch genau so richtig.

 

Ein mir bereits bekanntes Thema, das mir während der Ausbildung aber deutlich wieder bewusst wurde, ist mein ewiger Begleiter: Der Perfektionismus.

Wir haben uns mittlerweile schon ein wenig aneinander gewöhnt, aber dennoch wäre ich verdammt froh, wenn er mich mal in Ruhe lassen würde und ich einfach mal entspannen kann. Ich glaube ohne ihn käme ich nämlich eigentlich ganz gut klar – doch in bestimmten Situationen, gewissen Momenten, da weicht er einfach nicht von meiner Seite.

So war es auch immer wieder während der Ausbildung.

Im Yoga ist alles was zählt, was du alleine für dich auf deiner Matte machst und empfindest. Kein Vergleichen. Kein nach rechts und links schauen. Kein Abgucken. All das spielt keine Rolle. Eigentlich ... 

Doch hey, ich bin Sportlerin. Ich habe mein Leben lang Wettkampfsport betrieben, komme aus einer sehr wettbewerbsorientierten Familie. Vergleiche, Ehrgeiz, Training und Ansporn zum Weiterkommen, gehörten für mich irgendwie immer zur Tagesordnung! 

Wie kann ich da bitte beim Yoga einfach nur auf mich und meine Matte konzentriert sein? Wenn meine Mattennachbarin die perfekte Krähe hinbekommt und Kopfstand ihr sowieso total leicht fällt, dann spornt mich das ziemlich an, es ihr nachzumachen. Und wenn es dann nicht so gut klappt, dann kann ich das zwar gut akzeptieren, aber ich muss es zumindest mal ausprobiert haben. 

Doch nicht nur im Vergleich mit anderen ist der Perfektionismus und mein Ego am Start – ich vergleiche mich auch liebend gerne mit mir selbst.

Ein Beispiel: Das Thema Stretching.

Spagat oder tiefe Grätschen und Vorbeugen fallen mir normalerweise sehr leicht. Doch selbstverständlich ist die Dehnfähigkeit und Elastizität der Sehen und Bänder auch bei einem beweglichen Körper sehr tagesformabhängig. Es gibt Tage, die eigenen sich wunderbar für tiefe und intensive Stretchings – und andere, an denen ist man vergleichsweise steifer in den Knochen. Doch sag das mal meinem Ego! Denn mein Ego weiß ja, wie viel es an guten Tagen im Stande ist zu leisten! Warum sollte es dann an vermeintlich "schlechten" Tagen weniger gut klappen mit der Dehnung? 

Und so erwische ich mich immer und immer wieder dabei, viel zu wenig auf meinen Körper zu hören, darauf was er jetzt genau in diesem Moment braucht – eben nur soweit zu gehen, wie es angenehm ist. Doch stattdessen wollte ich es ja "perfekt" machen. So gut es geht eben (schon klar, dass es im Yoga kein "perfekt" gibt!). Und gleiches natürlich in der Abschlussprüfung. Was hab ich mich verrückt gemacht, weil ich es einfach richtig gut machen wollte? Ich wünsche mich für die Zukunft, dass ich meinen Perfektionismus einfach mal ruhen lassen kann. Ihn akzeptiere und weiß, dass er da ist, aber ich ihn nicht mehr in meinem Leben brauche. Ob ich ihn überhaupt je "gebraucht" habe, sei sowieso mal dahin gestellt. Vermutlich nicht. :-) Denn mir ist vollkommen bewusst, dass Perfektionismus eigentlich nur aus der eigentlichen "Angst vorm Scheitern" resultiert. Doch warum habe ich Angst zu scheitern? Woher kommt diese anscheinend sehr tief verwurzelte Angst in mir? Über diese Fragen grübel ich auch heute noch sehr viel ...

  

Be kind, it's Gangster!
Be kind, it's Gangster!

 

Neben all den verschiedenen Erfahrungen und Erkenntnissen muss ich aber sagen, dass die aller schönste Erfahrung die gesamte Gruppe war mit der ich das alles erleben durfte. Ich habe dieses Jahr durch die Ausbildung so viele wunderbare neue Menschen kennengelernt und in mein Herz geschlossen. Allein das war jeden Cent wert! Denn so eine intensive Zeit schweißt einfach zusammen. Ich hatte das Gefühl, dass jeder jedem geholfen hat, alle füreinander da waren und aufeinander geachtet haben. Es wurde so viel gemeinsam gelacht, geweint, gefeiert und natürlich geübt. Dafür bin ich so unendlich dankbar. Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, den Kontakt auch jetzt im Nachhinein so lange wie möglich aufrecht zu erhalten ...

 

Yoga Teacher Trainees 2018
Yoga Teacher Trainees 2018

Die Abschlussprüfung

Irgendwann näherte sich schließlich die Phase der Abschlussprüfung. Wir haben alle darauf hingefiebert und leider raste die Zeit viel schneller als gedacht.

Unfassbar, wie schnell vier Monate vergehen können. Bin ich überhaupt schon bereit dafür? Was ist, wenn ich versage? Leistungsdruck und Perfektionismus waren auf jeden Fall wieder am Start. Kenn ich ja schon.

Nun fragst du dich bestimmt, was in der Abschlussprüfung überhaupt gefordert war. Also, zum erfolgreichen Abschluss der Ausbildung gehörten (neben 100%iger Anwesenheitspflicht während aller Wochenenden) vier Bereiche:

  1. Das Absolvieren von 42 Praxisstunden
  2. Book Reports
  3. Mündliche Prüfung
  4. Praktische Prüfung

Wie schon erwähnt habe ich meinen Zettel zum Abhaken der 42 Praxisstunden final und unter viel Zeitdruck erst kurz vor knapp zur letzten Ausbildungseinheit fertig bekommen. Aber egal, geschafft.

Außerdem haben wir für die Zeit der Ausbildung eine Literaturliste bekommen mit ca. acht verschiedenen Büchern. Diese sollten wir während der vier Monate alle lesen und zu jedem Buch eine kurze Abhandlung schreiben (Wie hat mir das Buch gefallen? Welche Learnings nehme ich aus dem Buch mit? Was sind meine wichtigsten Erkenntnisse?). Es sollten also acht Book Reports eingereicht werden, schriftlich und ausgedruckt – wie eine kleine Hausarbeit also. Zwei Bücher pro Woche zu lesen, neben all den anderen alltäglichen Verpflichtungen ist übrigens echt nicht Ohne! Auch hier hätte mir ein genauer Zeitplan sicherlich weitergeholfen. Aber nö, Maren macht ja alles spontan und ohne genaue Planung. Da kann es dann halt auch passieren, dass man plötzlich am Ende drei Bücher in einer Woche lesen muss. :-)

 

Außerdem gab es eine mündliche Prüfung. Diese fand allerdings mit der gesamten Gruppe statt. Wir wurden also alle gemeinsam (ich glaube ca. 2 Stunden) geprüft, wobei jeder der Reihe nach 2-3 Fragen gestellt bekommen hat, wo es einfach darum ging zu zeigen, dass man grundsätzliche Zusammenhänge verstanden hat und die wichtigen Grundlagen aus der gesamten Ausbildung abrufen kann. Kein Grund zur Sorge also! :-)

 

Am aufregendsten war für uns alle wohl mit Abstand die praktische Prüfung. Hierfür wurden wir von Sonia in 3er-Gruppen eingeteilt, wobei wir je Gruppe eine 90-Minuten-Class unterrichten sollten. Jeder also 30 Minuten. Es wurde außerdem festgelegt, wer von uns den Anfang, die Mitte oder das Ende der Stunde übernimmt.

Wie wir die 90 Minuten ausgestalten, welches Thema wir nehmen, ob mit Musik oder ohne – all das durften wir selbst entscheiden und waren da vollkommen frei.

Ich war in einer Gruppe mit Malika und Mimi und mir gibt vermutlich jeder Recht, der uns kennt, dass wir eine sehr heterogene Gruppe waren, mit sehr unterschiedlichen Charakteren. :-) Genau das war aber die spannende Herausforderung. Wir hatten ein gemeinsames Ziel und haben viel Herzblut in unsere Vorbereitung und Stundenplanung gesteckt. Bis zur letzten Minute haben wir unseren Ablauf geprobt, wobei die Generalprobe noch wortwörtlich total ins Wasser fiel (wir übten im Park und wurden mehrfach vom Gewitter überrascht, sodass wir immer wieder unterbrechen mussten). Nichts klappte so wirklich und die Nervosität wurde immer größer.

An Pfingstmontag war es dann so weit. Wir waren die vorletzte Gruppe und kurz vor unserer finalen Abschluss-Ceremonie dran. Wir mussten eine Open Class unterrichten. 

Als Thema hatten wir uns das "Herz-Chakra" überlegt und legten den Fokus auf herzöffnende Asanas und das Praktizieren von Dankbarkeit. 

Mein Part war Teil 1, ich durfte die Yogastunde also eröffnen. Und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Bevor es losging hatte ich aber noch ein kleines Schlüsselerlebnis. Unsere Stunde begann um 11 Uhr und ich hatte mein Timing extra so gelegt, dass ich um 10.00 Uhr im Yogaloft bin, um noch genügend Zeit zu haben, anzukommen, mich umzuziehen, die Musik zu testen, die Energie im Raum wahrzunehmen, etc.! Doch mein Plan wurde gekreuzt. Als ich überpünktlich ankam, stand ich vor verschlossener Eingangstür. Panik machte sich in mir breit. Wieso war die Haupteingangstür geschlossen? Ausgerechnet jetzt? Und mir war klar, dass sie sich erst nach halb elf wieder öffnen würde, sobald der vorangehende Kurs nämlich vorbei war und die Leute das Studio wieder verlassen wollten. Das hatte ich so nicht eingeplant! Mein perfektionistisches Ego fand das richtig ätzend, denn ich hatte Angst zu wenig Zeit für meine finale Vorbereitung zu haben. Doch dann musste ich Schmunzeln. Als ich nämlich darüber nachdachte, mit welchen Worten ich gleich meine eigene Stunde eröffnen wollte (es ging wie gesagt um das Thema Dankbarkeit und darum, dass man den Fokus im Leben auf die Fülle richten soll, auf das was gut läuft und bereits vorhanden ist – und nicht auf den Mangel, auf das was schlecht ist und fehlt), da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Genau JETZT war der Moment gekommen, dankbar zu sein, vor verschlossener Tür zu stehen und mich auf das zu konzentrieren was DA ist. Und DA war absolute Ruhe. Ich stand nämlich noch für weitere 30 Minuten komplett alleine vor verschlossener Eingangstür und hatte so die perfekte Zeit, um nochmal total in Ruhe meine Stunde im Kopf durchzugehen. Das war wirklich perfekt. Denn so wurde ich nicht durch irgendwelche Gespräche mit anderen Yogis abgelenkt. Nee, ich konnte wirklich ganz entspannt alles nochmal für mich selbst durchgehen. Ein paar Mal tief ein- und ausatmen – und als dann die Tür endlich aufging, war ich super entspannt. Meine Nervosität hatte sich beruhigt und ich fühlte mich top vorbereitet. Und so war ich im Nachhinein wirklich dankbar für die spontane Ruhe vor meiner Prüfungsstunde. :-) 

Und dann ging es auch schon los.

Im Raum waren glaube ich zwischen 30-40 Yogis. "Don't Worry, Be Yoncé!" war absolut mein Motto des Tages, um meine Nerven im Griff zu behalten (es stand dick und fett auf meinem T-Shirt). 

Die 90 Minuten sind wie im Flug vergangen, alles hat wunderbar funktioniert (klar hier und da gibt es immer kleine Stolperer, das ist ja normal als Anfänger), aber im Großen und Ganzen können wir mega zufrieden sein! 

Und es hat mir soooo viel Spaß gemacht! Ich habe es geliebt, die 30 Minuten anzuleiten, die Teilnehmer zu adjusten (also Hilfestellung bei den Asanas zu geben) und die Energie im Raum zu spüren. Davon gerne mehr, wer hätte es gedacht!?! :-)

Und so hatten wir es dann auch endlich geschafft. Am Abend gab es eine wunderschöne Ceremonie und wir haben alle feierlich unsere Abschluss-Zertifikate überreicht bekommen. Hach ... :-)

 


Die finale Abschlussprüfung
Die finale Abschlussprüfung

Nichts geht ohne Playlist

Übrigens, ich persönlich liebe Yoga-Unterricht mit Musik!

Denn mit der richtigen Song-Auswahl kann es emotional ins Eingemachte gehen. Für mich gibt es nicht's Schöneres, als wenn die Musik die richtige Stimmung zum Thema der Yogastunde transportiert und man sich so richtig schön fallen lassen kann, alle Gedanken abschaltet und vollkommen präsent ist. 

Du kannst dir gerne die Playlist unserer Prüfungsstunde auf Spotify abonnieren: Einfach hier klicken oder lordina_belgique über deinen Account aufrufen. Hier findest du auch noch weitere Playlists, die ich veröffentlicht habe.

 

Meine Prüfungs-Playlist zum Thema Herzchakra
Meine Prüfungs-Playlist zum Thema Herzchakra

Mein Fazit

Abschließend kann ich wirklich behaupten, dass ich letztes Jahr mit Abstand die beste Entscheidung getroffen habe, die ich hätte treffen können.

Es begann mit dem Entschluss alleine in den Urlaub nach Santorini zu fliegen und endete mit der Entscheidung eine Yogalehrer-Ausbildung zu machen.

Ich empfinde so eine tiefe Dankbarkeit für diese intensive und wunderschöne Zeit, das kann ich kaum in Worte fassen. Es zeigt mir einfach, wie wichtig es war meiner inneren Stimme, meiner Intuition zu vertrauen. Denn irgendwas in mir hat ganz laut geflüstert – nee, geschrien – dass ich mich unbedingt anmelden soll. Dass es da ganz viel Neues zu entdecken gibt. Und genau darauf habe ich gehört und es durchgezogen.

Hierzu kann ich wirklich jeden nur ermutigen. Wenn du irgendwelche Träume hast, die du gerne realisieren möchtest, dir aber vielleicht der Mut fehlt, oder vielleicht auch das nötige Kleingeld – dann gib bitte niemals auf und such nach kreativen Lösungen, wie du dir deinen Traum verwirklichen kannst! Selbst wenn es manchmal länger dauert und erst ein paar Umwege zum Ziel führen. Es lohnt sich IMMER, auf seine Intuition zu vertrauen. Die weiß nämlich so viel besser was richtig für uns ist, als unser Verstand!

 

Was die Yogalehrer-Ausbildung angeht, so sage ich im Nachhinein immer, dass sich für mich alles angefühlt hat, als würde sich nun ein riesiges Puzzle zusammensetzen. Denn viele Dinge, die im Yoga praktiziert werden, waren mir im Vorfeld gar nicht so unbekannt. Im Gegenteil, vieles hatte ich sogar schon im meinem Leben integriert, ohne genau zu wissen, dass es sich hierbei um "Yoga" handelt. Denn Yoga ist ja so viel mehr, als nur die Praxis auf der Matte! Du kannst Yoga in jeder alltäglichen Situation praktizieren. Dafür musst du nicht im herabschauenden Hund auf der Matte stehen. Im Gegenteil sogar. Und genau das finde ich so wunderbar. Yoga ist für mich wirklich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Es ist eben eine Lebensphilosophie, eine die sich für mich verdammt richtig anfühlt. :-)

Und nun mal schauen wohin die Reise so weitergeht. Denn sie hört ja niemals auf!

 

Zwei Buddies stolz wie Oskar
Zwei Buddies stolz wie Oskar
Maren als stolze zertifizierte Yogalehrerin :)
Maren als stolze zertifizierte Yogalehrerin :)

 

Mittlerweile sind über drei Monate seit Ausbildungsende vergangen. Du möchtest wissen, wie es mir seitdem ergangen ist, was sich seither alles ergeben hat und ob sich mein Leben grundlegend verändert hat? Ob ich vielleicht doch nebenbei Yoga unterrichten möchte? All das erzähl ich dir liebend gerne in meinem nächsten Blogbeitrag. :-)

 

Falls du irgendwelche Fragen zur Yogalehrer-Ausbildung hast, dann melde dich gerne bei mir! Ich freu mich, meine Erfahrungen mit dir teilen zu dürfen und unterstütze jeden gerne, der sich ebenfalls auf die spannende Reise eines Yogi begeben möchte. Die Reise lohnt sich. Es gibt nämlich verdammt viel (in dir) zu entdecken! :-)

 

Namaste!

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